wilux schrieb:
Denke ich falsch, dass ich auf ein starkes Passwort vertraue, um an mich verschlüsselte Mails "gut" zu verschlüsseln?
Habs mir fast gedacht

Ja, es ist so.
Mit deinem Passwort (GPG nennt es "Passphrase", weil auch ein Satz möglich ist), entschlüsselst du lediglich den hoffentlich nur auf deinem eigenen Rechner vorhandenen private-key. Wenn du wirklich sicherstellen könntest, dass dieser Schlüssel niemals deinen Rechner verlassen kann, dann könntest du diesen auch völlig ohne Passphrase erzeugen und nutzen. Für die Stärke der Verschlüsselung hat das überhaupt keine Auswirkungen.
Tipp: befasse dich mit Grundlagen der asymmetrischen Verschlüsselung => Wikipedia, oder die Suchmaschine mit den 2 "g" liefern viele Ergebnisse.
Oder, was Mailverschlüsselung betrifft, kannst du dir auch gern meinen Beitrag im Thunderbird-Wiki ansehen:
http://www.thunderbird-mail.de/wiki/FAQ#Verschl.C3.BCsselung_.26_digitale_Unterschrift
Nur so viel hier:
Du erzeugst einen "geheimen" Schlüssel (private-key), daraus wird der öffentliche Schlüssel generiert (public-key). Diesen und nur diesen (!!) kannst du gefahrlos weltweit verteilen. Deine Mailpartner verschlüsseln Mails an dich mit deinem öffentlichen Schlüssel (nix mit Passphrase) und nur du als Besitzer des geheimen Schlüssels kannst diese Mail wieder entschlüsseln. Und genau dazu benötigst du deine Passphrase.
Zum Signieren verwendest du deinen geheimen Schlüssel (=> Passphrase) und der Empfänger prüft die Signatur mit deinem öffentlichen Schlüssel. (Um dich nicht vollständig zu verwirren habe ich bewusst verschwiegen, dass intern noch eine symmetrische Verschlüsselung des Session-key stattfindet.)
wilux schrieb:
Du benutzt S/MIME? Welchen Anbieter und why?
Nun, ich befasse mich beruflich schon seeeehr lange mit allem, was sich "Verschlüsselung" nennt ... .
Und privat habe ich PGP seit der Version 2.0.? genutzt. Aber im behördlichen und auch zunehmend im kommerziellen Bereich wird nun mal S/MIME genutzt, und so bin ich schon vor etlichen Jahren auf S/MIME umgestiegen. Kompatibilität zw. beruflichen und privaten Mails und Verfahren ... .
Anbieter? Beruflich ein bestimmtes Trustcenter (mein Arbeitgeber) ... . Und privat erzeuge ich jedes Jahr einige Hundert Zertifkate für Familie, Freunde, Forenmitglieder usw zu Hause auf einer Linux-Maschine. Das funktioniert schon. Das dazu nötige Vertrauen ("Trust-" ...) kann man sich erarbeiten ... .
Hole dir zum Testen einfach ein Kostnix-Zertifikat von http://www.trustcenter.de
(Nebenbei: auch dort erzeugst du und niemand anderes deinen secret-key! Dieser verlässt deinen eigenen Rechner wä. der Prozedur nicht!)
wilux schrieb:
Ach und darum fände ich es gut, wenn Du mir in ein oder zwei(?) Sätzen erklären könntest, wie Du mit S/MIME bestimmen kannst, wer Deine Mails lesen kann.
Den Grundsatz habe ich ja oben schon beschrieben.
Ich schicke dem Mailpartner eine signierte Mail. Und dieser mir auch. Und ein einigermaßen intelligenter Mailclient wie der Thunderbird hat die öffentlichen Schlüssel der Mailpartner dann schon automatisch gespeichert. Und nach 3x Klicken sind die nächsten Mails dann verschlüsselt und signiert. Und mit einigen Add-ons wird das ganze dann so komfortabel, dass du es gar nicht mehr bemerkst - und auch nie wieder vergisst, vorher auf "Verschlüsseln" zu klicken.
OK?
MfG Peter